Östlich der heutigen Lehrter Straße, im Bereich der Kottenstraße und des Stadtsees, stand einst die Staßfurter Burg.
Wann sie errichtet wurde, lässt sich nicht mehr feststellen, es dürfte im zehnten Jahrhundert gewesen sein. Noch heute
wird die Fläche östlich, also der Stadtsee mit seinem Umfeld, als Wendelitz bezeichnet. Auch der Ursprung dieses Namens
ist nicht geklärt, aber er deutet auf eine wendische, also slawische Siedlung hin. Diese ist durch Funde bei den
archäologischen Ausgrabungen für die neue Stadtbibliothek auch nachgewiesen wurden. Diese slawische Siedlung in
unmittelbarer Nähe zur Burg wird sehr zeitig assimiliert worden sein, dabei hat man wahrscheinlich den Namen des
nördlich der Bode gelegenen Dorfes Staßfurt auf die südlich gelegene Siedlung übernommen, aus der
später die Stadt Staßfurt wurde.
Diese Burg ist in späteren Jahrhunderten zum Schloss umgebaut worden, hier fanden auch Gerichtsverhandlungen statt.
Um 1820 kam das gesamte Burg- beziehungsweise Schlossgelände in den Besitz der Familie Bennecke. Diese ließ die
gesamten Gebäude abreißen und an dieser Stelle 1836 eine Rübenzuckerfabrik, übrigens die zweite in Deutschland, errichten.
Die beim Abriss anfallenden Steine fanden beim Neubau der Fabrikanlagen, deren größtes Gebäude der Speicher war,
eine neue Verwendung. Dieser Speicher, wohl in mehreren Etappen kurz hintereinander gebaut, prägte nun für über
einhundertsechzig Jahre das Stadtbild an dieser Stelle.
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Der östlich gelegene Gebäudeteil war dabei besonders massiv errichtet, ein gewaltiges Kellergewölbe verbarg sich darunter, wahrscheinlich ist
es neu errichtet und nicht von früheren Gebäuden übernommen worden. Im Erdgeschoss befanden sich Räume, die anscheinend ursprünglich
eine Wohnung waren. Das Mauerwerk war fast einen Meter stark. Direkt darüber erstreckte sich über die gesamte Giebelbreite ein Raum mit vier Fenstern, der
einst farblich ausgemalt war und auch eine gewisse Bedeutung gehabt haben muss. der Rest des riesigen Gebäudes bestand auf vier Ebenen aus
Lagerflächen in gewaltigen Holzkonstruktionen, sogar der Keller im hinteren Gebäudeteil war innen durchweg aus Holz erbaut, dass noch
in einem erstaunlich guten Zustand war. Das Dach war durchweg ein pappgedecktes Flachdach. Der östliche Gebäudeteil verfügte über mehrere Schornsteine.
Nach dem Zweiten Weltkrieg nutzte eine Bäuerliche Handelsgenossenschaft dieses Gebäude, später lagerte das Staßfurter Fernsehgerätewerk
hier Fernseher ein. An dem Bauwerk selbst, dass einst sogar über einen Bahnanschluss mit Rampe verfügte, fanden keine Erhaltungsarbeiten statt,
sodass allmählig der Verfall einsetzte. Die benachbarten Gebäude, unter anderem auch das ehemalige Wohnhaus der Familie Bennecke,
fälschlicherweise immer als Schloss bezeichnet, wurden in den Sechzigerjahren abgerissen. Ab dem Jahre 1987 diente der Speicher
dann noch einer Champignonzucht. Von 1990 an stand er dann ungenutzt leer.
Die hier gezeigten Bilder entstanden 1994, kurz davor gab es sogar noch Pläne, den Speicher wieder nutzbar zu machen.
Da der Verfall und auch der Vandalismus immer größere Schäden verursachten, blieb am Ende nur der Abriss übrig.
Ab dem Jahre 2001 gab es den Speicher nicht mehr. Beim Abtragen ist im Keller des östlichen Teiles der Zugang zu
einem unterirdischen Gang entdeckt worden, der nach rund zwölf Metern vermauert war. Vermutlich unterquerte er die
vorbeiführende Alte Zwingerstraße, um zu einem benachbarten Betriebsteil zu gelangen. Dieser Gang ist nicht
verfüllt worden und befindet sich noch heute im Erdreich. Die Steine des Speichers, uralt, da sie teilweise noch von der Burg
stammten, fanden eine Wiederverwendung bei der Restaurierung der Stadtmauer. Der Rest des Abbruchmaterials
diente als Verfüllung der übriggebliebenen Grube. An gleicher Stelle befindet sich nun ein Verkaufsmarkt und ein Parkplatz.